{"id":1300,"date":"2011-11-09T13:03:44","date_gmt":"2011-11-09T11:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.migotravels.de\/?p=1300"},"modified":"2011-11-09T16:54:39","modified_gmt":"2011-11-09T14:54:39","slug":"der-andere-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/migotravels.de\/?p=1300","title":{"rendered":"Der andere Iran"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte den Abschlussartikel bereits formuliert. Eine runde und positive Sache h\u00e4tte es werden k\u00f6nnen, doch meine Erlebnisse der letzten Tage im Iran zwingen mich, diesen Beitrag einzuschieben. Die Geschichte geht so:<\/p>\n<p>Am geplant vorletzten Tag, dem Tag bevor mich die F\u00e4hre in die Vereinigten Arabischen Emirate bringen sollte, entscheide ich mich, einen Ausflug auf Hormus Island, einer kleinen, rauen und ruhigen Insel mit einer sehenswerten, portugiesischen Festung, zu machen. Auf der morgendlichen, 30-min\u00fctigen Fahrt in einem kleinen Schnellboot treffe ich Ali, einen Informatikstudent, der zu einer Lesung auf die kleine Uni der Insel f\u00e4hrt. \u00dcberrascht, dass es \u00fcberhaupt eine Schuleinrichtung in dem winzigen Ort gibt, nehme ich seine Einladung zur Besichtigung der Uni an. Spontan aktuellen Plan\u00e4nderungen zu folgen, hatte sich bislang immer ausgezahlt. Diesmal sollte es anders kommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1335\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963.jpg\" title=\"Sch\u00fcler Demo 2\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1335\" class=\"size-medium wp-image-1335\" title=\"Sch\u00fcler Demo 2\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-320x213.jpg\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 2\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-320x213.jpg 320w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-1620x1080.jpg 1620w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963.jpg 1930w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1335\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00fcler Demo 2<\/p><\/div>\n<p>Da das Freitagsgebet ansteht, verlassen die meisten Sch\u00fcler gerade das Gel\u00e4nde und es gibt wenig zusehen. Wir folgen ihnen zur Hauptstra\u00dfe des andernfalls vermutlich schl\u00e4frigen Ortes und treffen dort auf eine kleine Demonstration von Sch\u00fclern im Alter zwischen etwa 6 und 14 \u00a0Jahren. Sie tragen die Uniformen ihrer Klassenstufen und halten Poster und Banner mit meist persischen Aufschriften oder Bildern von\u00a0 Khomeini und Khamenei. Die einzigen englisch beschrifteten Schilder, beinhalten den Slogan &#8222;Down with U.S.A.&#8220; und sind in gro\u00dfer Anzahl zu sehen. Am Start des kleinen Sch\u00fclerumzugs spricht ein Mann in gr\u00fcnem Milit\u00e4ranzug recht energisch in ein Megaphon. Die Prozession erinnert mich doch recht stark an ideologisch gesteuerte Umz\u00fcge aus meiner Kindheit. Wir trugen blaue Halst\u00fccher und Poster mit Erich Honecker und Karl Marx drauf. Der Anblick einer Gruppe 5-6 J\u00e4hriger, die passend zu ihrer froschgr\u00fcnen Uniform in gro\u00dfer Anzahl gr\u00fcne Anti-USA Banner tragen, schockiert mich allerdings. In fr\u00fchesten, unschuldigen Alter wird organisiert ein Hass ges\u00e4t, der bei Vielen zu genau der Pauschalabneigung gegen\u00fcber einer Bev\u00f6lkerungsgruppe f\u00fchren wird, die die Basis f\u00fcr Missverst\u00e4ndnisse und Kriege sind. Ein Hass der gegen rationale Argumente und andere Ansichten blind macht. Was ich sehe, ist die Bild gewordene Scheuklappenideologie einer Regierung, die in krassen Gegensatz zu den Meinungen und Ansichten aller\u00a0 Iraner steht, die ich in den vergangenen drei Wochen kennenlernen durfte.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sind mir auch einige Propagandavideos im Fernsehen aufgefallen. Zwei Beispiele:<br \/>\nEines zeigt abwechselnd die Bilder der gest\u00fcrzten Diktatoren Nordafrikas auf Dominosteinen und Mitschnitte aus den dazugeh\u00f6rigen Massendemonstrationen, die zur Befreiung gef\u00fchrt haben. Ein Stein nach dem anderen f\u00e4llt mit lautem Krachen zu Boden. Dann sieht man weitere Demonstrationen und letztlich alle Dominosteine erneut hintereinander aufgereiht. Am Ende der Reihe stehen aber drei Weitere, die die Bilder der Herrscher von Bahrein, Jemen und Saudi Arabien zeigen. Die Steine fallen erneut und einer kippt den anderen. Die letzten drei stehen noch, aber kippeln stark und fallen fast. Das Video zeigt deutlich wie isoliert der Iran nicht nur gegen\u00fcber dem Westen, sondern auch gegen\u00fcber vielen Staaten der Arabischen Liga dasteht, mit denen es ebenfalls gr\u00f6\u00dfere Differenzen gibt.<br \/>\nEin weiteres Video zeigt abwechselnd einerseits Iraner bei Demonstrationen und symboltr\u00e4chtige Bilder, wie brennende amerikanische oder kraftvoll wehende iranische Flaggen und andererseits amerikanische Soldaten und Panzer in meist sehr aggressiven Bildern in denen insbesondere die Brutalit\u00e4t gegen einzelne, schutzlose Einheimische gezeigt wird. Die Botschaft ist auch ohne Verst\u00e4ndnis der eingeblendeten Texte eindeutig. Wir sind der Fels und das Gewissen gegen die amerikanischen Aggressoren. Dass die Amerikaner ma\u00dfgeblich daran beteiligt waren, in den gezeigten Bildern die beiden feindlich gesinnten Nachbarn Iran&#8217;s, Irak unter Hussein und Afghanistan unter den Taliban, zu beseitigen, ist dabei irrelevant.<\/p>\n<p>Ich mache einige Bilder der kleinen Demonstranten, als ein Soldat her\u00fcberkommt und uns zu seinem Vorgesetzten her\u00fcberbittet. Da ich keinen Pass bei mir trage, dieser wird meist vom Hotel einbehalten, werden Ali und ich ohne weitere Worte zum Quartier der Grenzpatrouillien abtransportiert. Mit diesem Schritt wird ein b\u00fcrokratischer Vorgang in Gang gesetzt, der selbst Douglas Adams&#8216; Vogon h\u00e4tte erblassen lassen. Wir werden jeweils zweimal \u00fcber den &#8222;Vorgang&#8220; ausgefragt. Es entstehen 4 handgeschriebene A4 Schriftst\u00fccke, mit Unterschriften, Stempeln und unseren Fingerabdr\u00fccken. Ich versuche immer wieder anzuregen, das Hotel anzurufen, um mich und mein Visum best\u00e4tigen zu lassen, sto\u00dfe aber lediglich auf Unverst\u00e4ndnis. Ein derartiges Vorgehen entspricht offenbar nicht dem korrekten, offiziellen Vorgang. Etwa zwei Stunden sp\u00e4ter sitzen wir wieder im Auto, setzen Ali an der Uni ab und fahren weiter Richtung Hafen. Mein einziges Sprachrohr ins Persische ist damit abhanden gekommen. Der Offizier auf dem Beifahrersitz fragt mich, ob ich den Koran mag und zieht aus seinem Kuli ein kleines Rollpapier heraus, dass offenbar eine Passage des Koran enth\u00e4lt. Er k\u00fcsst es und ber\u00fchrt es mit der Stirn. Nat\u00fcrlich liebe ich den Koran! Deutschland ist gut, sagt er, schlie\u00dflich sind wir auch Arier. Das die in diesem Zusammenhang h\u00e4ufig in verbindung gebrachten Nazis zum <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arier#Begriff_im_Nationalsozialismus\">Ariertum<\/a> eine etwas andere Definition hatten, ist ihm vermutlich nicht bekannt. USA, Gro\u00dfbrittanien und Israel sind schlecht, sagt er sehr abf\u00e4llig und macht dabei die Halsdurchtrennhandsymbolik und ich bin heilfroh ein Deutscher zu sein. Nein, nat\u00fcrlich mag ich die Amis auch nicht, best\u00e4tige ich r\u00fcckradlos. Er f\u00e4ngt an mit einer Hand Schussgestiken auszuf\u00fchren und mich \u00fcber den R\u00fcckspiegel abzuschie\u00dfen und will wissen ob ich Schusswaffen mag und lacht dabei. Mir wird zunehmend mulmiger. Als wir am Hafen vorbeifahren und in eine kleine vollkommen leere Nebenstra\u00dfe Richtung Strand abbiegen, kriege ich es endg\u00fcltig mit Angst zu tun. Man wird mich doch nicht einfach kaltbl\u00fctig abknallen? Nein, das kann nicht sein, schlie\u00dflich bin ich Arier und Landsmann von Klinsmann und Ballack. Wir halten neben einem verlassen aussehenden Geb\u00e4udekomplex und der Fahrer steigt schweigend aus.<br \/>\n(Werbeunterbrechung \ud83d\ude42 )<br \/>\nKurze Zeit sp\u00e4ter kommt er mit zwei kalten Colaflaschen zur\u00fcck und dr\u00fcckt mir eine l\u00e4chelnd in die Hand.<\/p>\n<p>Zur Nachbarinsel Qeshm Island will man mich bringen. Hier befindet sich die Polizei, die jetzt scheinbar offiziell zust\u00e4ndig f\u00fcr meinen Fall ist. Da es kein Boot nach Qeshm Island gibt, nehmen wir das Schnellboot zur\u00fcck nach Bandar, um dann von hier eine F\u00e4hre (50 Minuten) zu nehmen. Zwischendurch bin ich also nur etwa 10 Gehminuten von meinem Hotel entfernt, darf aber trotz allem Dr\u00e4ngen und Erkl\u00e4rungsversuchen nicht meinen Pass einsammeln, bzw. einsammeln lassen. Mein Bringersoldat f\u00fchrt strikt seinen Befehl aus und liefert mich in einem deutlich gr\u00f6\u00dferen Revier auf Qeshm Island ab. Wieder gehen die Fragen von vorne los, wieder gucken sich alle meine Fotos an, wieder werden Zettel geschrieben. Ein Vorgang der sich noch etliche Male von Neuem mit neuen Personen wiederholen wird. Schlie\u00dflich nimmt man mir alle Gegenst\u00e4nde ab und ich werde in eine Zelle abgef\u00fchrt. Der einzige Licht- und Luftzugang ist ein kleines von au\u00dfen schlie\u00dfbares Fenster in der Stahlt\u00fcr, die mit schwerem Krachen zuf\u00e4llt. Ich starre meinem T\u00fcrw\u00e4rter entr\u00fcstet und verst\u00e4ndnislos an. Ich bin ein harmloser Tourist, dass kann doch nicht eurer Ernst sein, protestiere ich jetzt sehr sauer. &#8222;I am sorry&#8220; sagt er. Viel hilft das nicht. Mit diesem Moment f\u00fchle ich mich verst\u00e4ndlicherweise als Gefangener und beginne automatisch in der Zelle auf- und abzulaufen und mir alle m\u00f6glichen Ausg\u00e4nge auszumalen. Meine gr\u00f6\u00dfte Sorge gilt meinem Rechner im Hotelzimmer. Wenn ich an einen akribischen Beamten gerate, k\u00f6nnte er mein Hotelzimmer und damit mein Laptop durchsuchen lassen, auf dem die eine oder andere irankritische Bemerkung zu finden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nach zwei aktiv auf und ab gelaufenen Stunden werde ich in den Vorraum der Zelle geholt. Der hilfsbereite Reviermullah spricht etwas Russisch und versucht zu vermitteln. Au\u00dfer dass ich nicht mehr in die Zelle zur\u00fcck muss, sondern von nun an im abgeschlossenen Vorraum sitzen kann, kommt aber nicht viel heraus. Zus\u00e4tzlich zur Passproblematik h\u00e4tte ich angeblich auch keine Fotos auf Hormus Island machen d\u00fcrfen, da es sich um eine Grenzregion handelt. Zwei angeblich wichtige Personen in Zivil kommen herein, und schauen sich eine Stunde lang meine Bilder an. &#8222;No problem&#8220; sagen sie am Ende l\u00e4chelnd und verschwinden. Ich bleibe weiter eingeschlossen.<\/p>\n<p>Weitere zwei Stunden sp\u00e4ter werde ich ins B\u00fcro eines Polizeibeamten geholt, der mich mit seiner nicht zu \u00fcberbietenden lethargischen Art fast in den Wahnsinn treibt. Wieder Fragen, wieder A4-Zettel, die jetzt mit Blaupausen (ewig nicht gesehen) vervielfacht werden. Allein der Vorgang zwei vorgedruckte Vorgangszettel gegen das Licht gehalten genau \u00fcbereinanderzulegen, mit einer Nadel zu fixieren und das Blaupapier dazwischen zu legen, dauert eine gute Minute. Im Schneckentempo nimmt er rosa Ordner aus dem Schrank, locht die bislang entstandenen Zettel und heftet sie einzeln! ein. Die L\u00f6cher sind nicht genau mittig, also noch einmal von vorne mit einem anderen Ordner. Die Reihenfolge der Seiten stimmt nicht, also wieder von vorne, diesmal mit Nummerierung auf der R\u00fcckseite der Zettel. Nach etwa 45 Minuten liegen zwei Ordner fertig vor ihm und er macht eine ganze Weile einfach gar nichts, um dann in einem Anf\u00e4ngerbuch f\u00fcr Windows XP! herumzubl\u00e4ttern. Rechner gibt es hier weit und breit keinen. Mir platzt der Kragen. Ich breche das Schweigen und versuche in Erfahrung zu bringen, worauf wir eigentlich warten, was als n\u00e4chstes passiert und wie lange alles noch dauern wird. Er versteht mich nicht, bzw. gibt unverst\u00e4ndliche Antworten. Im Laufe der kommenden Stunde schauen immer wieder neue Gesichter ins Zimmer, fragen wieder von Neuem, schauen sich wieder alle Bilder an. Alle sind gut gelaunt und man bietet mir immer wieder Tee und Kekse an. Keiner hat wirklich irgend etwas zu tun und keiner scheint wirklich nachvollziehen zu k\u00f6nnen, warum ich offensichtlich ungl\u00fccklich mit meiner Situation bin.<\/p>\n<p>Es ist bereits dunkel als ich wieder in die Vorzelle gebracht werde und mir wird klar, dass ich die Nacht hier verbringen werde.\u00a0 Frustriert und sauer beschwere ich mich lautstark \u00fcber meine Situation. Man muss mich nicht w\u00f6rtlich verstehen, um zu wissen was ich sage. &#8222;I am sorry&#8220; &#8211; ja super. Ich werde zunehmend bockiger. Nein ich will euer d\u00e4mliches H\u00fchnchen nicht, ich will frei sein, denke ich und verschm\u00e4he den Teller in meiner Zelle. Ich will nicht gef\u00fcttert werden wie ein Haustier und \u00fcberlege bereits, ob es Sinn macht einen Hungerstreik zu beginnen. Das unangenehme Gef\u00fchl eingesperrt in einem fremden Land, im Iran, zu sein, ergreift mich zunehmend. Ich laufe den Gro\u00dfteil der Nacht in meiner Zelle auf und ab und blicke b\u00f6se in die st\u00e4ndig neugierig herein blickenden Gesichter der Soldaten. Ich f\u00fchle mich wie ein Tiger hinter Gittern.<\/p>\n<p>Ich kann es schlicht nicht fassen, als ich es am kommenden Morgen wieder ertragen muss, meinem lahmen Polizisten bei der Prozedur der Beschriftung eines vollen A4-Zettels zuschauen zu m\u00fcssen. Ein scheinbar h\u00f6her gestellter Angestellter kommt herein und muss sich mittlerweile durch einen gr\u00f6\u00dferen Stapel handgeschriebener Zettel arbeiten, um meinen komplizierten Fall zu durchschauen. Es kommt etwas Bewegung ins Spiel. Man packt die mir entwendeten Sachen ein und ich steige mit zwei Polizisten in ein Auto. Wohin es geht wei\u00df ich nicht. Fahren wir zum Hafen? Kann ich gehen? Nein.<\/p>\n<p>Wir kommen zum Gericht. Ich befinde mich unter einer gr\u00f6\u00dferen Menge mit Handschellen versehener Personen, die meist recht ungl\u00fccklich aussehen und mit milit\u00e4rischer oder polizeilicher Begleitung, die ihrerseits die gleichen rosafarbenen Ordner tragen, wartend im Gang sitzen. In einer Vorauswahl wird auf dem Flur entschieden, dass mein Ordner offenbar h\u00f6here Priorit\u00e4t hat und in einen Raum gebracht werden darf. Nach einer halben Stunde wird mein Name gerufen. Alle Zettel im Ordner haben jetzt einen neuen Stempel erhalten. Mit der neuen Errungenschaft stiefeln wir durch die dr\u00e4ngelnde Menge in die obere Etage und d\u00fcrfen offenbar direkt zur Entscheidungsquelle vordringen. Ein gro\u00dfz\u00fcgiger Raum wird dominiert von einem Holzpult mit dem Relief einer Waage auf der Vorderseite und einem volumin\u00f6sen Lederstuhl dahinter. Darin sitzt ein recht junger Richter, der einen unglaublichen Aktionismus an den Tag legt. Er verspr\u00fcht ein persisches Redefeuerwerk in den Raum und scheint mit drei Leuten und zwei Telefonen gleichzeitig zu reden, w\u00e4hrend andere ihm neue rosa Ordner hinlegen und er Dinge schreibt bzw. unterzeichnet. Die gesamte Angestelltenschaft wirkt im Vergleich wie Kleinkinder, die im Buddelkasten spielen und Papa nach der Schaufel fragen. Alle warten auf die ihnen zustehenden f\u00fcnf Aufmerksamkeitssekunden, w\u00e4hrend die Angeklagten im Raum unterw\u00fcrfig und schuldig dreinblicken. Ein faszinierendes Schauspiel, dass ich von dem mir zugewiesenen VIP-Schuldigenstuhl beobachten darf.<\/p>\n<p>Er \u00fcberfliegt meinen Ordner und erkundigt sich als erstes, ob wir mittlerweile meinen Pass bzw. ein Fax davon haben. Als die Frage verneint wird, blickt er meine Begleiter verst\u00e4ndnislos an. Ich h\u00e4tte ihn umarmen k\u00f6nnen. Endlich ein logisch denkender Mensch. Innerhalb von f\u00fcnf Minuten ist das Fax da. Wir verbringen noch eine Viertelstunde um die Verwirrungen der verschiedenen Zeitrechnungen und Zeitstempel im Visum zu l\u00f6sen, dann scheint alles gekl\u00e4rt. Ein Schriftf\u00fchrer erstellt nochmals zwei neue A4-Zettel, die ich mit meinem Fingerabdruck unterzeichnen muss. Ein neuer Stempel f\u00fcr alle Zettel und die Unterschrift des Richters sprechen mich frei. Fast, denn zun\u00e4chst m\u00fcssen wir f\u00fcr eine weitere Unterschrift wieder zur\u00fcck zur ersten Station, dann nochmal zum Richter und schlie\u00dflich zu einer weiteren, bislang unbekannten T\u00fcr, hinter der wir unsere Ordner endg\u00fcltig gegen eine Quittung abgeben k\u00f6nnen. Fertig. Nach 24 Stunden darf ich ungehindert meiner Wege gehen. Die R\u00fcckfahrt ins chaotische Bandar Abbas f\u00fchlt sich im Kontrast zu den letzten Stunden wie nach Hause fahren an. Freiheit, was f\u00fcr ein Genuss.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend kann ich mich, mit Ausnahme des \u00fcbertriebenen Kerkers, nicht \u00fcber eine schlechte Behandlung beschweren. Inkompetenz, vielschichtige Hierarchien und bodenlose, hirnfreie, strikt prozessorientierte B\u00fcrokratie haben meinen unkomplizierten Fall hoffnungslos aufgebl\u00e4ht und die Zeit vieler Menschen verschwendet.\u00a0Die Erfahrung hat mir auch einen Einblick in ideologiefreundliche Schichten des Iran und deren interne Prozesse gew\u00e4hrt. Alarmierend finde ich, wie wenig der Einzelne den Gesamtprozess hinterfragt und lediglich auf sein eigenes korrektes Verhalten im Umgang mit dem n\u00e4chsten Vorgesetzten bedacht ist. Es ging keinem darum das eigentliche &#8222;Problem&#8220; zu beheben oder auch nur zu versuchen es zu verstehen. Jeder war nur darauf bedacht keine Fehler im jeweiligen Vorgangsabschnitt zu machen und alles zu dokumentieren. Dass alle immer sehr nett waren, hilft einem dann nicht weiter. Wenn man hinter Gittern sitzt, freut man sich nicht wirklich, wenn Leute Kaffee oder hei\u00dfe Schokolade mit Keksen bringen.<\/p>\n<p>Mittlerweile bin ich im \u00fcbrigen wohlbehalten in Dubai angelangt, aber einen letzten Eintrag zum persischen Golf und dem lebhaften Bandar Abbas reiche ich in K\u00fcrze nach.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-1300 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1339'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 5\" aria-describedby=\"gallery-1-1339\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042959-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1339'>\n\t\t\t\tSch\u00fcler Demo 5\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1338'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 4\" aria-describedby=\"gallery-1-1338\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042964-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1338'>\n\t\t\t\tSch\u00fcler Demo 4\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1336'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 3\" aria-describedby=\"gallery-1-1336\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042960-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1336'>\n\t\t\t\tSch\u00fcler Demo 3\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1335'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 2\" aria-describedby=\"gallery-1-1335\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042963-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1335'>\n\t\t\t\tSch\u00fcler Demo 2\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1334'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Sch\u00fcler Demo 1\" aria-describedby=\"gallery-1-1334\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042965-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1334'>\n\t\t\t\tSch\u00fcler Demo 1\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1333'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Schule auf Hormuz Island\" aria-describedby=\"gallery-1-1333\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042958-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1333'>\n\t\t\t\tSchule auf Hormuz Island\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/migotravels.de\/?attachment_id=1337'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"Busmotorr\u00e4der auf Hormuz\" aria-describedby=\"gallery-1-1337\" srcset=\"https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-150x150.jpg 150w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-96x96.jpg 96w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-24x24.jpg 24w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-36x36.jpg 36w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-48x48.jpg 48w, https:\/\/migotravels.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/PB042957-64x64.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-1337'>\n\t\t\t\tBusmotorr\u00e4der auf Hormuz\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte den Abschlussartikel bereits formuliert. Eine runde und positive Sache h\u00e4tte es werden k\u00f6nnen, doch meine Erlebnisse der letzten Tage im Iran zwingen mich, diesen Beitrag einzuschieben. Die Geschichte geht so: Am geplant vorletzten Tag, dem Tag bevor mich &hellip; <a href=\"https:\/\/migotravels.de\/?p=1300\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-1300","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-iran_turkey"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1300"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1346,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1300\/revisions\/1346"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/migotravels.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}